Zwingende Gründe

Im Bericht «Wir haben schon genug Verkehr» im Landboten vom 10. März 2020 werden die wichtigsten Argumente der Referendumsunterzeichner aufgeführt:

  • die ablehnende Haltung des Stadtrats
  • die Betonung der wirtschaftlichen Interessen
  • der voluminöse Bau (Klotz) in ein historisches gewachsenes Quartier ausserhalb der gültigen Zonenordnung
  • die drohende Verunstaltung anderer Quartiere in Winterthur
  • der zu erwartende massive Mehrverkehr
  • die Ungleichbehandlung der Überbauung im «Filetstück» und deren Verkehrsanbindung an die Frauenfelderstrasse.

Der Stadt- und Gemeinderat bewilligen statt der zulässigen fünf Voll- und zwei Dachgeschosse in Teilbereichen bis zu sieben Vollgeschosse, was insgesamt einer Verdreifachung (!) der heutigen Baumasse entspricht. Es ist 30% mehr, als der Arealbonus überhaupt hergeben würde. Zudem sind Nutzungsflächen für Kita, Quartierladen, Café und Kleingewerbe vorgesehen. Die Behauptung, dass dies zu keinem Mehrverkehr führen würde ist nicht nachvollziehbar.

Die schöne neue Welt, wie sie die Bauherren beschreiben, ist eine Insellösung und, wegen der zu erwartenden Verkehrszunahme, für das Quartier und dessen Bewohner untragbar. Das Projekt soll mit einer möglichst direkten Verkehrsanbindung an die Frauenfelderstrasse ausgestaltet werden. Damit das geschieht, stimmen wir am 7. März: NEIN zum privaten Gestaltungsplan Eichwaldhof.

7 Geschosse in der W3-Zone – wie geht das?

Der Eichwaldhof soll in der W3/2.6-Zone zu stehen kommen. Die Wohnbauten sollen fünf bis sieben (!) Geschosse haben. Wie ist das möglich? Eigentlich gar nicht. Zwar gibt es den sogenannten «Arealbonus», aber auch dieser reicht nicht aus – die Baumasse des Eichwaldhofs «darf» 30% über der gesetzlichen Grenze liegen! Es ist ein Geschenk der Stadt an die Bauherren. Den Preis dafür bezahlen zwangsweise die Anwohner, indem sie mehr Schatten, mehr Lärm und mehr Verkehr in Kauf nehmen müssen.

Der Winterthurer Stadt- und Gemeinderat sendet fatale Signale aus, in dem er Ausnahmen zur bestehenden BZO (Bauzonen-Ordnung) zulässt. Verdichtetes Bauen kann nachhaltig und sinnvoll sein, muss aber in ein umfassendes Konzept gebettet werden. Den Protokollen der Gemeinderatsverhandlungen kann entnommen werden, dass mit der Verkehrslösung niemand wirklich glücklich ist. Aber das Problem anzupacken, darauf hat dann irgendwie auch niemand Lust. Aus den Diskussionen:

  • M. Gross (SVP): «Leider wurde das Erschliessungskonzept des ganzen Quartiers vor langer Zeit (wie ich gesagt habe) nicht optimal geplant.»
  • Z. Dähler (CVP/EDU): «Auch uns ist das bewusst, dass die Quartiererschliessung nicht über alle Zweifel erhaben ist und dass man sich das eine oder andere wünschen könnte.»
  • R. Diener (Grüne/AL): «Was uns aber v.a. als Kritikpunkt aufgekommen ist und mit dem wir wirklich nicht einverstanden sind, ist die Situation, die entsteht mit dieser doch sehr mangelhaften Verkehrserschliessung für die Autos, für den MIV. Die heutige Situation bedingt Zu- und Wegfahrten in einem Areal, wo deutlich mehr Leute wohnen werden als vorher, teils heftigen Slalom mit Umwegen über die bestehenden Quartierstrassen. Damit wird eine grosse Anzahl von Anwohnern, die bereits dort sind, deutlich zusätzlich belärmt und belastet.»
  • R. Heuberger (FDP): «Und ja, das Thema Erschliessung ist ein Thema. Aber das kann nicht diesem Projekt angerechnet werden. Was fehlt, ist die MIV-Erschliessung Neuhegi-Grüze und der entsprechende ÖV-Anschluss dieses Gebiets. Aber, Reto, Du hast es in diesen Ausführungen selbst gesagt: Das kann noch Jahre oder Jahrzehnte gehen oder mindestens langfristig ein Problem sein.» – «Ja, man hätte schon höhere Forderungen stellen können – aber es muss am Schluss noch finanzierbar bleiben.»
  • Stadträtin Ch. Meier: «Die Situation, was die Verkehrserschiessung angeht, da sind wir uns wohl einig: Die ist tatsächlich in diesem Quartier nicht ideal.» – «Dass es einen Handlungsbedarf gibt, das ist allen bekannt. Das ist uns bekannt und das werden wir auch anschauen.»

Erst bauen, dann planen?

Wenn sich alle einig sind, dass die Verkehrsplanung nicht gut ist, weshalb wird sie dann nicht verbessert? Weshalb wird nicht zuerst geplant und erst dann gebaut? Wenn die Klötze erst einmal stehen, haben neue Verkehrskonzepte keinen Platz mehr. Damit die Zukunft nicht verbaut wird, stimmen wir am 7. März: NEIN zum privaten Gestaltungsplan Eichwaldhof.

Im Landbote-Artikel «Abstimmung Eichwaldhof: Eine Knatsch-Debatte im Faktencheck» (14.2.21) lässt die Stadt sich folgendermassen zititeren: «Wenn, dann müsse man die Anbindung des Schoorenquartiers gesamthaft prüfen, den kommunalen Richtplan ändern und darauf basierend ein Konzept für die gesamte Frauenfelderstrasse entwerfen, vom Römertor bis zur Stadtgrenze. Der Aufwand wäre gross, aber der einzige rechtskonforme Weg.» – Ok, liebe Stadtplaner, was hält euch auf? Was hat euch die letzten 30 Jahre aufgehalten? Bitte plant, so lange ihr noch Handlungsspielraum habt. Und baut den Eichwaldhof erst, wenn das Verkehrskonzept in trockenen Tüchern ist.

Und wie ist es für Sie? Wie viele Überbauungen in Winterthur, in Ihrem Quartier, sind so in die Jahre gekommen, dass eine Sanierung der Bauten aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen nicht angestrebt werden kann? In welchen Quartieren in Winterthur drohen ähnliche Projekte, die als Insellösung in ein beststehendes, gewachsenes Quartier gepflanzt werden, ohne dass die Anliegen und Bedürfnisse der Quartierbewohner berücksichtigt werden? Aus Vernunft stimmen wir am 7. März: NEIN zum privaten Gestaltungsplan Eichwaldhof.